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Wir empfehlen: | |||||||||||||
“Die Verwirrungen des
Zögling Törleß”
Der Zögling Törleß wird im Konvikt zu W. unterrichtet.
Obwohl er anfangs darauf gedrängt hat, von zu Hause fortzugehen, packt ihn
bald das Heimweh. Weder der Unterricht, noch die Spiele nach der Schule und
alles andere, was den Zöglingen noch geboten wird, kann Törleß
fesseln. Beinahe täglich schreibt er einen Brief nach Hause. Er fühlt
sich sehr unzufrieden und tastet ständig nach etwas Neuem, an das er sich
stützen könnte. Eines Tages kommt ein junger Fürst ins Institut,
mit dem er sich sofort anfreundet, obwohl die anderen den Neuling auslachen und
fad finden. Doch nach einiger Zeit kommt es zum Bruch zwischen den beiden, und
bald darauf tritt der Fürst wieder aus dem Konvikt aus. In dieser Zeit wird
es wieder sehr still um Törleß.
Als die Zöglinge wieder einmal zwei Tage frei haben, kommen
Törleß´ Eltern ihn im Institut besuchen. Alle haben große
Freude am Wiedersehen mit ihren Eltern und verbringen eine schöne Zeit.
Nachdem alle die Eltern wieder zum Bahnhof gebracht haben und wieder auf dem
Heimweg sind, gehen Törleß und sein älterer Kamerad Beineberg
noch in eine Konditorei, da die beiden die Erlaubnis zu längerem Ausbleiben
haben. Beineberg erzählt Törleß von seiner Familie, doch
Törleß, der mit seinen Gedanken nicht beim Thema ist, hört gar
nicht zu, was sein Freund spricht. Auf dem Heimweg besuchen die beiden noch eine
Freundin Beinebergs, eine Prostituierte namens Bozena, von der Törleß
ziemlich angetan ist. Zurück im Heim schleichen sich die drei Kameraden
Beineberg, Reiting und Törleß in ihr gemeinsames Versteck. Dort
berichtet ihnen Reiting, daß er denjenigen ausfindig machen konnte, der
einigen Mitschülern Geld gestohlen hat. Es ist Basini, der Reiting und
Mitschülern Geld schuldet und stiehlt, um es zurückzahlen zu
können. Daraufhin beschließen Reiting und Beineberg, Basini für
seine Taten zu bestrafen, indem sie ihn sich dienstbar machen. Törleß
ist aber über die Tatsache, daß Basini ein Dieb ist und er nicht
öffentlich angeklagt und aus dem Konvikt ausgeschlossen wird, entsetzt.
Reiting und Beineberg halten das Eigentumsdelikt Basinis geheim, um ihn zu
quälen und sexuell zu mißhandeln. Sie mißhandeln Basini
physisch, und Törleß quält ihn mit psychischen
Mißhandlungen, denn er will Auskunft über die fremde Unmoral seiner
aufkeimenden Gefühle erlangen. Vom “animalischen” Gehabe seiner
Kameraden zugleich angetan und abgestoßen, verharrt Törleß in
einem Zustand der Ichspaltung. Der pubertäre Zögling verwandelt die
gegebene Realität in Bilder sehnsüchtiger Phantasien, die sich als
Symbole einer noch unbekannten Sexualität bemerkbar machen und sieht bald
eine Verwandtschaft zwischen seinen sexuellen Phantasien und Basinis Diebstahl.
Ferner wünscht er Aufklärung über Basinis homosexuelles
Verhältnis zu Reiting und Beineberg. All das gipfelt in einer Nacht, in der
sich Törleß von Basini verführen läßt. Als die
anderen Zöglinge nach den freien Tagen wieder ins Heim kommen, beginnt
Törleß Basini vor den Intrigen Reitings und Beinebergs zu warnen.
Törleß gibt ihm den Rat, sich wegen des Eigentumsdelikts selbst zu
stellen und so Beineberg und Reiting zuvorzukommen. Die beiden
herrschsüchtigen und skrupellosen Kameraden hetzen mittlerweile die Klasse
gegen Basini auf. Als sich diese in laienhafter Lynchjustiz austoben, entsteht
ein schulinterner Skandal, als dessen Folge nun auch Törleß sein
Verhalten rechtfertigen muß; die homosexuelle Phase kann jedoch vertuscht
werden. Basini wird strafweise aus dem Konvikt entlassen.
Törleß´ Wunsch, das Internat zu verlassen und der
Entschluß des Lehrerkollgeiums, ihn zu entlassen, da man sich der
Erziehung nicht länger gewachsen fühlt, gehen konform.
“Die Verwirrungen des Zögling Törleß” war
Robert Musils literarischer Erstling und machte ihn über die Grenzen
Österreich-Ungarns bekannt. In diesem Roman, der vordergründig das
Erwachen sadistisch-triebhafter Gelüste Heranwachsender in der Eliteschule
zu W. thematisiert, verarbeitet Musil nicht zuletzt die eigene Internatszeit in
Mährisch-Weißkirchen und das Erlebnis homosexueller Neigungen in der
Jugendzeit. Auf die unwirtliche Fremde des Instituts reagiert Törleß
mit Heimweh nach dem Schutz seiner Eltern – für Musil Anlaß, um
in der Figur des Törleß eine Psychologie der Sehnsucht nach einer
zweiten, imaginären Wirklichkeit darzustellen. In Törleß
inszeniert Musil sich selbst, allerdings nicht in plumper
Reproduktion.
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