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Wir empfehlen: | |||||||||||||||||||||||||||||||||
“Tonka” (1922)
Tonka, das
einfache junge Ding aus dem Tuchgeschäft, erwirbt die Zuneigung eines
jungen Wissenschaftlers, der seine Studien im Elternhaus betreibt. Auf seinen
Zuspruch hin kommt sie als Stütze der Großmutter ins Haus. Ihre
rührende Einfalt, Schweigsamkeit und Anhänglichkeit werden zu einem
beglückenden Teil seines Lebens, aber sie bedrücken ihn auch: er
weiß nie recht, was er von ihr zu halten hat. Als die Großmutter
stirbt und Tonka zu ihrer Tante zurückgehen soll, nimmt der Freund sie mit
sich in eine andere Stadt. Und weil er glaubte, daß “es”
dazugehört, wird Tonka seine Geliebte. Als Tonka nach Jahren des
Zusammenlebens ein Kind erwartet, glaubt er genau zu wissen, daß die
Empfängnis in eine Zeit seiner Abwesenheit gefallen ist, obgleich sonst
alles für Tonkas beteuerte Unschuld spricht. So schwankt er während
der Zeit ihrer Schwangerschaft und der sie begleitenden schleichenden Krankheit
zwischen Zweifel und Glauben. Obwohl von außen alles getan wird, um das
ungleiche Paar zu trennen, kann er das Band, das ihn an Tonka fesselt, weder
lösen noch fester knüpfen. Tonka wird immer hinfälliger, nach der
Geburt stirbt sie mit ihrem Kind und nimmt ihr Geheimnis mit sich.
Die Begegnungen mit dem Fremden haben in vielen Werken Musils eine wichtige
Rolle. So auch in dem Novellenzyklus “Drei Frauen”. Die
Gegensätze in diesem Werk hat Musil in der “Skizze zur Erkenntnis des
Dichters” bearbeitet: Es gibt die Begriffe des “Ratioiden”
(Vernünftigen) und des “Nicht-Ratioiden”, die er neu zu
umschreiben versucht. Diese Gegenüberstellung deckt sich mit der von
Männlichkeit und Weiblichkeit. Die Frauenfiguren, die den drei Novellen den
Titel geben, repräsentieren das “Nicht-Ratioide” in
unterschiedlichen Varianten.
In der Figur der “Grigia” wird dabei der Bereich des
Naturhaften und Erotischen behandelt, in der Figur der “Protugiesin”
die Nähe zum Meer und zum Süden; in “Tonka” die
unbürgerliche Einfachheit.
Alle drei Frauen verkörpern eine in den männlichen Protagonisten
unterentwickelte, “andere” Seite, in ihrer Untreue entziehen sie
sich männlichen Besitzansprüchen und stellen diese in Frage.
Weitere Werke:
“Die
Schwärmer” (Drama, 1921), “Vinzenz und die Freundin
bedeutender Männer” (Gesellschaftsposse, 1924), “Die
Amsel” (1928), “Über die Dummheit”
(1937)
Heute gilt Musil neben Kafka, Döblin und Thomas Mann als
Repräsentant moderner Romankunst in Deutschland und Österreich, der
sich allerdings gegen eine breite Resonanz beim lesenden Publikum
sperrt.
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